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Buchhandlungs-Sterben in Manhattan

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Wenn Susan Sontag an einem neuen Aufsatz über die Fotografie, über die Hermeneutik oder über die Postmoderne gearbeitet hat und nach Inspiration suchte, dann gab es für berühmte Essayistin und Kulturkritikerin nur eine Anlaufstelle. Wie die meisten Downtown Intellektuellen der 70er und 80er Jahre machte Sontag sich in solchen Fällen auf den Weg in den St. Mark’s Bookshop im East Village, um in dem reichhaltigen Angebot an deutscher und französischer Theorie, klassischen philosophischen Texten und zeitgenössischen Kunstbänden zu stöbern.

 

Der St. Mark’s Bookshop steht heute noch immer an der Ecke Neunte Straße und Bowery, er ist der letzte Anlaufpunkt für die wenigen noch verbliebenen Intellektuellen im Viertel. Das halbe Dutzend anderer Buchläden, das im Umkreis von fünf Gehminuten damals hier zu finden war, ist jedoch verschwunden. Und auch St. Mark’s kämpft ums Überleben.

 

Der Vermieter von St. Mark’s, ausgerechnet die benachbarte Cooper Union Universität, hat jüngst die Ladenmete auf 20,000 Dollar angehoben. Als Ladenbesitzer Bob Contant Anfang der 70er Jahre hier eröffnete zahlte er gerade einmal 375 Dollar. Gegenüber Bitten um Preisnachlass zeigte Cooper sich jedoch unnachgiebig und auch zahlreiche Benefizveranstaltungen mit Autogrammstunden prominenter Autoren vermochten nicht zu helfen. St. Mark’s wird wohl im Laufe diesen Jahres weichen müssen.

 

Das mutmassliche Aus für den St. Mark’s Bookshop ist Teil eines bedauerlichen Trends. Die Anzahl der Buchläden in Manhattan ist seit 2000 um mehr als 30 Prozent gesunken. Auf der Insel, die sich einst als Epizentrum der amerikanischen Literatur verstand, wird es bald keine Bücher mehr zu kaufen geben.  

 

Manhattan beherbergt alle großen Verlage der USA und zahllose kleinere. Literaturzeitschriften von der New York Review of Books bis hin zur renommierten Paris Review werden hier herausgegeben. Und viele Generationen von Schriftstellern, angefangen im 18. Jahrhundert mit Washington Irving über Größen wie Herman Melville und Edgar Allen Poe bis hin zu Zeitgenossen wie Don DeLillo hatten hier ihre Heimat.

 

Doch nun ist die literarische Kultur von Manhattan vom Aussterben bedroht. „Ich habe das Gefühl, dass ich in einem Feld arbeite, das unter mir weg bricht“, sagte Robert Caro, der berühmte Historiker, gegenüber der New York Times. „Manhattan verkommt immer mehr zu einem Einkaufszentrum für reiche Leute.“

 

So wie dem St. Mark’s Bookstore ist es in den vergangenen Jahren Dutzenden unabhängiger Buchläden ergangen. Der doppelte Druck des ebook Wettbewerbs und des Internetversands sowie der unerbittlichen Mietpreis-Spirale war ihnen über den Kopf gewachsen.

 

Die Liste der Opfer ist lang und traurig. Coliseum Books gegenüber der New York Public Library in Midtown musste schließen. Ebenso der  beliebte Kunstbuchladen Rizzoli an der 57ten Straße. Shakespeare and Company an der Upper West Side gibt es nicht mehr, dem Krimispezialist Murder Ink ist es auch an den Kragen gegangen. Und Bank Street Books an der Columbia University hat bereits angekündigt, im Februar 2015 seinen Mietvertrag nicht zu erneuern. Heute zählt die amerikanische Buchhändler-Vereinigung noch gerade 39 Läden in Manhattan – darunter viele Zeitungskioske, die nebenbei Paperbacks verkaufen.

 

Sogar die großen Ketten wie Barnes and Noble und Borders, die einst als die schlimmste Bedrohung für die kleinen unabhängigen Läden gesehen wurden, kämpfen ums Überleben. Barnes and Noble hat seit 2007 fünf seiner Fillialen in Manhattan geschlossen, darunter seine einstige Stamm-Depandance an der Fifth Avenue. Borders musste ebenfalls fünf Läden dicht machen. Im Time Warner Center am Columbus Circle, wo einst die grüßte Borders Niederlassung war, ist nun eine Großdrogerie eingezogen.

 

Jetzt werden die Rufe laut, dass die Politik einschreiten soll. Robert Caro, der sich zum Advokaten für den Erhalt der literarischen Kultur in Manhattan ernannt hat, fordert, dass der neue Bürgermeister Bill DeBlasio die verbleibenden Buchhandlungen schützt. „Die Stadtregierung muss einschreiten, wenn Manhattan ein literarisches und kulturelles Zentrum blieben will.“ Andere fordern, dass die großen Verlage einschreiten und die Lücke füllen, die durch das Sterben der großen Buchhandelsketten gerissen worden ist.

 

Vielleicht muss der New Yorker Literaturbetrieb aber auch akzeptieren, dass sein Schwerpunkt schon längst über den East River nach Brooklyn gewandert ist. Dort leben einige der bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller wie Jennifer Egan, Jonathan Franzen und Jonathan Safran Foer. Und eine gesunde Anzahl unabhängiger Buchläden floriert angesichts einem lebendigen kulturellen Umfeld und einigermaßen bezahlbaren Mieten.

 

Immerhin, einige wenige unabhängige Buchläden gibt es noch in Manhattan, wie der sehr beliebte McNally Jackson in SoHo. Noch ist die Insel im Zentrum des amerikanischen Kulturuniversums nicht zur reinen Konsumzone verkommen.