Occupy MoMa

Martha Roslers Garage Sale

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Ich war ein Möchtegern-Hippie

Pulitzerpreis-Tärgerin Jennifer Egan im Interview

(24. Februar 2012, Berliner Zeitung, Foto: Pieter van Hattem)

Immer noch Avant-Garde

Kraftwerk am MoMa

(Frankfurter Rundschau, 13.4.2012, Foto: Wowe)

Das Selbst als Archetyp

Cindy Sherman am Museum of Modern Art

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Museum als Gesamtkunstwerk

Die Barnes Foundation in Philadelphia

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Das kollektve Bildergedächtnis Amerikas

LIFE Magazine wird 75

(Stuttgarter Zeitung, 23.11.2011)

Auf der anderen Seite des amerikanischen Traums

Interview mit "Winter's Bone"-Autor Daniel Woodrell

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Prediger für die Obama Generation

Pastor Rob Bell glaubt nicht daran, dass man gläubig sein muss, um in den Himmel zu kommen

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Savage Beauty

Alexander McQueen am Metropolitan Museum

(23.5.2011, Frankfurter Rundschau)

"Der 11. September hat uns auf eine moralische Probe gestellt"

Interview mit dem New Yorker Schriftsteller Joseph O'Neill

(Zeit Online, 11.9.2011)

Reise zum Nerdpol

Mit ihren Nonsense überzieht die Gemeinde der Internetfreaks die digitale Welt. Es ist eine verschworene Subkultur, die eigentlich nur online existiert. Es sei denn, ihre Mitglieder treffen sich zur ROFLcon in Massachusetts. Ein Erlebnisbericht vom viralsten Ort der Welt.

(Financial Times, 7.5.2010)

Kühl vom eigenen Sterben berichten

Tapferer Trotziger: Der Autor und Journalist Christopher Hitchens, Amerikas profiliertester Atheist und todkrank, versichert, er werde sich nicht bekehren lassen.

(Frankfurter Rundschau, 19.8.2010)

"Information wird zur Waffe"

Der preisgekrönte Journalist Mark Bowden über die Folgen der Medienkrise für den Journalismus

(Frankfurter Rundschau, 15.1-2010)

Monument des Exzesses

Das City Center in Las Vegas, der neue Mega-Bau am Strip, ist ein obszöner Nachhall der Vor-Krisenjahre

(Frankfurter Rundschau, 4.1.2010)

Die Bobos und die Krise

Richard Floridas Theorie vom Wert der kreativen Klasse für die amerikanischen Städte

(Frankfurter Rundschau, Mai 2009)

Zu zahm für die Farm

Taylor Swift und die Country Musik

(Tagesspiegel, Dezember 2009)

Ein Tropfen

Bliss Broyard wuchs als behütete Tochter einer wohlhabenden weißen Familie auf. Bis sie erfuhr, dass ihr Vater ein Geheimnis hat: Der Literaturkritiker Anataloe Broyard war Afro-Amerikaner. Bliss Broyard machte sich auf die Suche nach ihren schwarzen Vorfahren und nach ihrer Identität

(Frankfurter Rundschau, 1.2.2009. Foto: Kevin Hatt))

Das beste was einer Frau passieren kann

Die Burlesque feiert in New Yorker Clubs ein Revival

(Ballettanz 3/2009)

"Amerika besinnt sich"

Harry Belafonte über Barack Obama

(Frankfurter Rundschau, 5.7.2008)

Die Jazz Ambassadors

Die USA betreiben seit 60 Jahren mit Jazz Diplomatie

(Frankfurter Rundschau, Mai 2009)

Straight Story

Thomas Pynchon überascht mit einem - beinahe - konventionellen Kriminalroman

(Frankfurter Rundschau, August 2010)

Der Schriftsteller und sein Biest

Zum Tod des Amerikaners Norman Mailer, der Literatur und Journalismus neu erfand

(Frankfurter Rundschau, 12. 11. 2007)

Nicht schwarz, nicht weiß

Das sentimentale Bedürfnis schwarzer Amerikaner sich mit ihren afrikanischen Wurzeln zu identifizieren, hält der Kultur- wissenschaftler Henry Louis Gates für naiv. Auch DNA-gestützte Ahnenforschung bringt nicht eindeutig eine schwarze Identität ans Licht. Und das ist gut für Amerika, meint die schwarze Publizistin Debra Dickerson und spricht Barack Obama seine „Schwärze” ab.

(„Mitten aus New York” in „Literaturen”, Heft 10/2007)

Die Entschristianisierung von Weihnachten

Irving Berlin hat mit "White Christmas" das erfolgreichste Weihnachtslied der Welt geschrieben. Das Christkind kommt darin nicht vor

(Frankfurter Rundschau, 21.12. 2008)

Der Nußknacker – eine „erfundene Tradition”

In der Zeit zwischen Thanksgiving und Weihnachten führt beinahe jede Tanz-Kompanie in den USA ein Nußknacker-Ballett auf, und beinahe jede ameri- kanische Familie schaut sich eine der zahlreichen Adaptionen an. Mark Morris hält das Gros der Nußknacker-Produktionen allerdings für eine Zumutung und inszenierte seine eigene Version – „Hard Nut” – die gehörig am kleinbürgerlichen Weihnachtsidyll rüttelt.

(„Ballett-Tanz”, 2006)

Schock und Aufklärung

Die Fotografien aus Abu Ghraib waren selbst Instrumente der Folter. Über die Kraft der Bilder in Kriegen

(taz, 12. 05. 2004)

Occupy MoMa

Martha Roslers Garage Sale

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Nein, ein Dollar sei nun doch zu wenig, wird die junge Dame angewiesen, die sich in die abgewetzten Cowboystiefel aus dem Regal dort drüben verliebt hat, so niedrig könne man mit dem Preis für die guten Stücke nicht gehen. Das habe sie auch gar nicht gewollt, wendet die Interessentin ein, das sei ein Missverständnis, sie wollte lediglich einen Dollar Nachlass auf die Schuhe, die zu sechs Dollar feilgeboten werden. „Darauf“, erwidert die Verkäuferin in der roten Weste, die an die Schürzen von Baumarktangestellten erinnert, „können wir uns einigen.“

 

Die Schnäppchenjägerin schlägt ein, kramt ein paar zerknitterte Dollarscheine aus der Tasche und lässt sich dann noch stolz mit ihrer Beute fotografieren. Dass sie mitten im Museum of Modern Art steht, wo man gewöhnlich andächtig durch die Gänge schreitet um Picasso, Rothko, Cezanne und neuerdings auch den ausgeliehenen Schrei von Edvard Munch zu bestaunen,  hat sie längst vergessen. Sie ist ganz eingetaucht in das Basar-hafte Treiben, das seit vergangener Woche das Atrium ausfüllt, das noch bis vor kurzem ein Obelisk von Richard Serra geziert hat.

 

Der Flohmarkt, inszeniert von der New Yorker Performance Künstlerin Martha Rosler, ist die jüngste Zweckentfremdung, die sich der zentrale Raum des neuen MoMa gefallen lassen muss, der nach dem Umbau 2004 zunächst Monets Wasserlilien Licht und Luft bot. In den vergangenen Jahren musste sich die Freifläche, die bis unter das Dach des sechsstöckigen Baus reicht Dinge gefallen wie Marina Abramovics Nackte oder ein Konzert von Kraftwerk. Und jetzt das.

 

Es ist ein überraschend mutiges Projekt für das MoMa, das sich in jüngster Zeit immer weiter auf das Terrain der Performance vorwagt. Das MoMa folgt wie andere Weltmuseen dem Trend, die Gattung zu kanonisieren. Mit Martha Rosler, sowie mit Andrea Fraser, die im Nebenraum gleich zwei Werke zeigt, ist man nun jedoch noch einen Schritt weiter gegangen. Man hat sich den Feind ins Haus geholt.

 

Die Feministin und Kulturkritikerin Martha Rosler, die in 70er Jahren neben Angela Davis in Kalifornien unter Herbert Marcuse studiert hat,  ist eine bittere Kritikerin des globalisierten kapitalistischen Kunstbetriebes, den das MoMa als eine seiner zentralen Institutionen antreibt. Erst im vergangenen Sommer setzte sich Rosler in einem langen Aufsatz auf ihrem e-zine „eflux“  damit auseinander, ob man sich nicht zwangsläufig zum Kollaborateur mache, wenn man als Künstler die Räume nutzt, die Einrichtungen wie das MoMa kritischen Künstlern bisweilen als Feigenblätter der Selbstreflexion zur Verfügung stellen.

 

Offenkundig hat sich Rosler dazu entschlossen, wie schon bei vorangegangen Kooperationen etwa mit dem Brooklyn Museum, dem Sprengel Museum oder Institute of Contemporary Arts in London, den Marsch durch die Institution anzutreten.  Und so steht sie seit einer Woche täglich im Museums-Atrium, sortiert unermüdlich Kisten mit alten Schallplatten, Büchern und Zeitschriften und feilscht mit oft ahnungslosen Besuchern um Preise.

 

Das Projekt nennt sich „Garage Sale“ – in Anlehnung an eine Institution des suburbanen amerikanischen Lebens, die Martha Rosler schon zu Beginn der 70er Jahre faszinierte. Damals, als Rosler in Kalifornien studierte, wurden die „Garage Sales“ zur Epidemie. Die prosperierende amerikanische Mittelschicht geriet durch die Wirtschaftskrise zunehmend in die Klemme. Das Häuschen in der Vorstadt zu entrümpeln und im Vorgarten einen Flohmarkt mit dem angesammelten Unrat abzuhalten wurde zur Überlebens-Strategie. Gleichzeitig war es ein Spaß für alle Beteiligten, eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich die Vorstadt-Bewohner begegneten und austauschten.

 

Die eingefleischte Marxistin Rosler interessierte an dieser aufblühenden Schattenwirtschaft, dass sie die Gesetze des offiziellen Marktplatzes gänzlich aushebelte. Der Warenfetischismus in seiner herkömmlichen Form war suspendiert, die Regeln der Wertschöpfung wurden beim „Garage Sale“ fließend und geheimnisvoll. An die Stelle des verschleierten Arbeitswerts traten die hinterlassenen Spuren des Verkäufers, der auch ein Stück von sich feil bot. Vor allem jedoch war alles verhandelbar. Vom Geschenk bis hin zur Zahlung des vollen Einzelhandelspreises war das gesamte Spektrum der Transaktionen möglich.

 

Ihren ersten eigenen Garage Sale veranstaltete Martha Rosler in einer Studentengalerie in San Diego 1973. Es war eine smarte Metapher für die Utopie einer Kunst jenseits des spekulativen Kunstbetriebs. Die Künstlerin gibt etwas ganz Persönliches von sich her und lädt den Betrachter in ihr Leben ein. Der Wert entsteht in der direkten Verhandlung zwischen den beiden.

 

Das ist freilich eine ganz andere Art von Tauschgeschäft als das, was in den meisten Räumen des MoMa vonstatten geht. Dort wird die A-List der internationalen Kunst-Szene festgelegt und ihr stabiler Spitzenwert in den Auktionshäusern gestützt. Bei der Garage Sale im Atrium findet hingegen etwas anderes statt – ein frei flottierenden Austausch zwischen Künstler und Besucher, bei dem beide gewinnen.

 

Man kann sehen, warum es für Martha Rosler aller Vorbehalte zum Trotz unwiderstehlich war, die Einladung des MoMa anzunehmen. Rosler ist eine große Anhängerin der Occupy Bewegung. Ihr Flohmarkt im Museum ist das Pendant zum Zuccotti Park, der Garage Sale könnte genauso gut Occupy MoMa heißen. Und den MoMa Kuratoren ist es hoch anzurechnen, dass sie da mitspielen. Es ist ein großer Schritt zurück in die Zeit, als das Museum eine Provokation war, ein Ort, der Debatten anstößt.