Sebastian Moll
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Essay

  •  Das bessere Amerika ist noch nicht abgesagt
  • Zwischen Amerikasehnsucht und Amerikasorge
  • Totalitäre Körperkultur
  • Essay 01

 Das bessere Amerika ist noch nicht abgesagt

Die Demokratie in den USA feiert ihren 250. Geburtstag – und ist bedroht wie nie. Doch gerade der Blick in die Geschichte der US-Verfassung bietet Anlass zur Hoffnung.

 

Republik, 04.07.2026

 

Ob am 4. Juli 1776 tatsächlich die Glocke läutete im Dachstuhl des State Housevon Pennsylvania, ist nicht belegt. Historikerinnen mutmassen aber, dass sie, um die Geburt einer Nation kundzutun, in Schwung gebracht wurde – jene Glocke, die man 24 Jahre zuvor bei einer Giesserei in London bestellt hatte. Sie sollte Delegierten­versammlungen und öffentliche Kund­gebungen in der Staats­hauptstadt Philadelphia einberufen, nun ertönte sie, glaubt man, damit jeder Mann, jede Frau und jeder Sklave um die Proklamation der Unabhängigkeit von der englischen Krone wisse.

Fest steht, dass ihr Klang­körper früh schon beschädigt wurde. Der heute berühmte Sprung entstand dann später im Zuge von erfolg­losen Reparatur­arbeiten. Die Glocke trägt auftrags­gemäss die Inschrift, derzufolge sie «allen Bewohnern des Landes Freiheit» verkünde. Im Jahr der Gravur, 1752, war das eine Prophezeiung. Dass sie ein Viertel­jahrhundert später in Erfüllung gegangen sein soll, macht sich bis heute prächtig als einer der Ursprungs­mythen der United States of America.

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Zwischen Amerikasehnsucht und Amerikasorge

Gemischte Gefühle bei meiner Einbürgerung in die USA:

Was bleibt unter Trump vom Versprechen einer großen Gemeinschaft?

 

Taz, 8.2.2025 

Endlose Reihen fest verschraubter Sitze, Rücken an Rücken, frisch gewienerter Linoleumfußboden – der Raum 310 der New Yorker Einwanderungsbehörde gleicht einem überdimensionalen Flughafen-Gate. Zwischen den Sitzreihen läuft ein Beamter auf und ab und verkündet streng Anweisungen.

An den Wänden hängen sepiafarbene Fotos von der Quarantäneinsel Ellis Island im New Yorker Hafen, Fotos aus der Zeit der großen Masseneinwanderung in die USA zwischen 1860 und 1920. Es sind Familien aus Italien, Deutschland oder Irland, die ihr Hab und Gut in ein paar Koffern mit sich tragen und mit ebenso ängstlichen wie hoffnungsvollen Augen dem entgegenblicken, was sie wohl in der Neuen Welt erwarten mag.

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Totalitäre Körperkultur

Wie unsere Sprort- und Fitnesskultur  immer mehr einem Selbstoptimierungswahn verfällt

Taz, 4.5.2026

Lothar Leder ist heute nur noch den älteren Anhängern des Ausdauersports ein Begriff, doch für diejenigen unter uns, die in den 90er Jahren den damals noch jungen Triathlonsport verfolgt haben, ist der heute 55-jährige Rheinhesse eine Legende. Nicht nur, weil er der erste Mensch war, der die Ironman-Distanz in unter acht Stunden absolviert hat. Es war vor allem die Art und Weise, wie er den Sport betrieben hat, die unsere Generation von Triathleten begeistert hat.

Beispielhaft dafür war alleine die Art, wie er den damals unvorstellbaren Rekord gebrochen hat. Leder ging Schulter an Schulter mit seinem Rivalen Rainer Müller auf die Marathonstrecke am Donaukanal in Roth. Nach wenigen Kilometern bemerkte Müller, dass das Tempo doch viel zu hoch sei. Leder zuckte mit den Schultern und lief in seinem Rhythmus weiter. Wie schnell er war, wusste er selbst nicht – er trug keine Uhr. Dass er den Rekord brechen würde, merkte er erst, als er auf der Schlussrunde am Marktplatz von Roth die Anzeigetafel sah.

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Essay 01

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