Foto: Abe Frajndlich
Neoliberales Luxusprojekt: Die Turbo-Gentrifizierung nach dem 11. September hat die New Yorker von ihrer eigenen Stadt entfremdet.
Taz, 11.9.2026
Wenn jemand, der seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr hier war, heute von New Jersey aus auf die Skyline von Manhattan blicken würde, fiele es ihnen schwer zu glauben, dass die Stadt auf der anderen Fluss Seite tatsächlich noch New York ist. Der Blick auf das ikonische Empire State Building ist von den Hudson Yards verbaut, einem Ensemble an Vorzeigetürmen von namhaften Starchitekten auf der Westseite der Insel. Die 2001 zerstörten Zwillingstürme am Südende der Stadt sind ebenfalls einem Strauss neuer Glasbauten gewichen, aus dessen Mitte der neue, schwerfällige Freedom Tower ragt. Der Südrand des Central Park in der Mitte der Insel wird von einer Phalanx an superschlanken, superhohen „Streichholz“-Wolkenkratzern gesäumt, deren Penthäuser die teuersten Aussichten der Welt bieten.
Die chinesische-stämmige Minderheit in den USA ließ Jahrzehnte lang stumm die Diskriminierung über sich ergehen. Jetzt haben Sie genug
Focus, März 2021
Jim und Betty Chang wirken ein wenig scheu, wie sie da am Rand des Columbus Park im Zentrum der New Yorker Chinatown stehen. So ganz trauen sie sich nicht, sich mitten ins Geschehen zu werfen an diesem strahlend schönen Frühjahrssonntag im März 2021, hinein unter die Tausenden von Menschen, die gekommen sind, um mit Schildern, Sprechgesängen und erhobenen Fäusten gegen anti-asiatischen Rassismus in Amerika zu demonstrieren.
New Yorks berühmteste Straße verkörpert, was die Stadt, ja, was Amerika ausmacht: Kommerz, Kreativität und Wandel. Doch wie hat sie sich in Zeiten von Corona und Trump verändert? Ein Focus-Team machte sich auf Erkundungstourund wanderte von Harlem bis zur Wall Street. 21 Kilometer Geschichte
Focus 39/2020
In Grimaldos Reich
Durch den Atlantik vor Brighton Beach zu kraulen ist das reine Glück
Frankfurter Rundschau, Magazin, 12.5.2022
Es ist einer der letzten Badetage des Jahres 2021 und das Wasser vor Coney Island ist glasig klar. Die Strahlen der Septembersonne breiten sich wie warme Milch über dem glatten Meer aus, das heute dem Schwimmer besonders wohl gesonnen ist. Man hat es nicht, wie häufig, mit stetigen Attacken anderthalb Meter hoher Brecher zu tun, die einem den Magen umdrehen und jeden ruhigen Schwimmrhythmus verhindern. Es ist so klar, dass man drei Meter unter sich die Fische schwimmen sieht und die die Noten von Dieselöl und Kloake, die man an stürmischeren Tagen mit jedem Mundvoll mitbekommt, sind heute nur in leichten Spuren vorhanden.