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Leute die New York nicht sehr gut kennen, sind oft der Meinung, die Stadt sei kein besonders geeigneter Ort für Kinder. Der Lärm, die Hektik, der Gestank, der totale Ansturm auf die Sinne – das kann für die Kleinen doch nicht gesund sein. Doch solche Leute kennen Julia nicht.

Julia ist die 11 Jahre alte Tochter meiner Freundin Jean. Als wir letztens zusammen mit Julia im Feierabendgewühl an der Fifth Avenue durch die Kaufhäuser gegangen sind und am angestrahlten Rockefeller Center vorbei kamen, wurde Julia plötzlich von einer unbändigen Euphorie übermannt. „New York ist der beste Platz der Welt“, entfuhr es ihr.

Tatsächlich ist Manhattan ein riesiger Abenteuerspielplatz für Kinder. Es gibt überall spannende und aufregende Dinge zu entdecken – ob in den Lebensmittelläden in Chinatown, im Central Park am Sonntag oder in den endlosen Fluren des Metropolitan Museums. Entgegen der gängigen Vorurteile ist Manhattan ein Paradies für Kids.

Dass die Insel trotzdem weitestgehend ein Tummelplatz für Singles ist und Familien im Stadtbild praktisch fehlen, liegt wohl eher daran, dass es praktisch unbezahlbar ist, hier Kinder groß zu ziehen.

Nehmen wir das Beispiel von Julia. Julia geht auf eine Privatschule. Das wäre natürlich nicht unbedingt nötig, doch die öffentlichen Schulen in Manhattan sind häufig katastrophal schlecht. Man muss schon Glück haben, in einem Schulbezirk zu wohnen, der eine ordentliche staatliche Schule hat.

Der Kostenpunkt für die Privatschule ist knapp 35,000 Dollar pro Jahr. Doch das sind für Jean gerade einmal die Grund-Erziehungskosten. Jean ist alleinerziehende Mutter. Sie kann Julia morgens zur Schule bringen, nach der Schule muss sie sie jedoch abholen lassen, weil sie noch bei der Arbeit ist. Das kostet insgesamt knapp 15,000 Dollar pro Jahr.

An Schulferientagen und an manchen Abenden fallen Babysitterkosten an. Die summieren sich pro Jahr auch auf gut 12-15,000 Dollar. Dann will Julia im Sommer mit ihren Freundinnen ins Sommercamp: Kostenpunkt rund 3000 Dollar. Von den Kosten für eine entsprechend große Wohnung in Manhattan und was sonst noch so anfällt an Kosten für Kinobesuche, Restaurantessen, Taxifahrten, Urlaube, Kleidung soll hier gar nicht weiter gesprochen werden.

Tatsache ist, dass man einen extrem gut bezahlten Job braucht, um in Manhattan Kinder groß zu ziehen. Solche Jobs nehmen meistens sehr viel Zeit und Energie in Anspruch – Energie und Zeit, die dann wieder für die Kinder fehlt und außerdem die Babysitterkosten in die Höhe treibt. Ein absurder Kreis.

Die meisten Menschen überlegen es sich deshalb zu Recht genau, ob sie in New York Kinder groß ziehen wollen. Allzu häufig entscheiden sie sich dagegen und ziehen weg aus der Stadt, wenn die Familiengründung ansteht. Für die Kids ist das freilich schade. Denn Manhattan ist eigentlich ein wunderbarer Ort um Kind zu sein.