Alles wird ausradiert

Interview mit dem Gentrifizierungs-Gegner Jeremiah Moss

(Frankfurter Rundschau 27.4.2013, Foto: Frank Heuer)

Blick duch das falsche Ende des Teleskops

Vorwort zu meinem Buch "Uptown Blues", Picus Verlag, Februar 2013

(Foto: Frank Heuer)

Ein Mann Namens Pferd

Unterwegs mit dem schnellsten Radkurier von New York

(TOUR Magazin, 11/2012; Foto: John Trotter)

Von Extase zu Depression

Harlem im Zeitalter von Barack Obama

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Harte Landung

Stadtumbau à la New York – im Bezirk Brooklyn sorgt eine neue Mehrzweckhalle für Ärger bei den Bewohnern. Sie fürchten die Verdrängung aus ihrem Viertel.

(14.Oktober 2012)

Wie eine Fata Morgana

Der ärmste und der reichste Wahlbezirk der USA liegen in New York nur ein paar Kilometer auseinander

(1. November 2012 Berliner Zeitung)

2000 Dollar für ein Zimmer

In New York ist Gentrification offizielle Politik

(6.8.2012 Berliner Zeitung, Foto: Frank Heuer)

Renovierung einer Utopie

VOR 60 JAHREN WAR DAS NEUE GEBÄUDE DER VEREINTEN NATIONEN SO ZUKUNFTSWEISEND WIE DIE INTERNATIONALE ORGANISATION SELBST. EINES KANN ES ALLERDINGS SCHLECHT: ALTERN

(Berliner Zeitung, 8.1.2011)

Fahrradkriege

Immer mehr Fahrradfahrer bevölkern die Straßen von New York. Darüber ist nicht jeder glücklich

(Mai 2011, Berliner Zeitung)

Tempel des Soul

Das Apollo Theater in Harlem ist seit 75 Jahren der Ground Zero der amerikanischen Pop-Musik

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Unter Generalverdacht

Muslime in den USA müssen sich noch immer gegen Vorwürfe wehren, sie sympathisierten heimlich mit Terroristen

(Berliner Zeitung, 6.9.2011)

Bye Bye Chelsea

Das legendäre New Yorker Hotel wurde an einen Immobilienmogul verkauft. Es ist das Ende einer Ära

(Berliner Zeitung, 26.8. 2011, Foto: Wowe)

Stadt ohne Maß und Ziel

Vorwort zu meinem Reiseführer DuMont-Direkt, New York, erhältlich ab sofort bei Amazon.com, 9,95 Euro Link, siehe unten

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New Yorks Hochhäuser für Tote

In New York ist nicht nur Wohnraum knapp - auch für die Verstorbenen gibt es kaum noch Platz: Die Friedhöfe sind überfüllt. Trotz effizienter Stapelgräber klettern die Preise für eine letzte Ruhestätte ins Groteske.

(Financial Times 6.9.2010)

Der Herrscher der Tür

Steve Keschl ist Doorman in der Upper East Side – und damit eine Stütze der New Yorker Gesellschaft.

(Der Tagesspiegel, 5.6.2010)

New York wehrt sich gegen Hysterie

Konservative in den USA blasen zum Kampf gegen einen Moschee-Bau in der Nähe von Ground Zero. Doch zwei Drittel der Bürger in der liberalen Stadt am Hudson verbitten sich die Einmischung.

(Frankfurter Rundschau, 16.8.2010)

Mitten im Gaga-Land

Auf Lady Gagas Spuren an der Lower East Side

(Berliner Zeitung, 28.12.2010)

"New York hat noch immer keine ernsthafte Konkurrenz"

Der Historiker und Architekt james Sanders zum 400ten Jubiläum der Stadt

(Frankfurter Rundschau, 1.9. 2009)

Hier schlägt das Herz Manhattans

Nirgends ist die Energie New Yorks so unmittelbar zu spüren wie morgens um acht in der Grand Central Station

(Welt am Sonntag, 18.3. 2007)

Zwei Farben Schwarz

In Harlem, Amerikas größtem Schwarzenviertel,leben Afrikaner und Afro-Amerikaner in einem oft angespannten Nebeneinander

(Tagesspiegel, 16-7-2007)

New Yorks Kleiderkammer kämpft ums Überleben

Der legendäre Fashion District von Manhattan war einst der Stolz der Stadt und das Zentrum der Modewelt. Heute ist er vom Aussterben bedroht

(Frankfurter Rundschau, Juni 2011)

Last Exit Coney Island

Coney Island, der "Himmel der einfachen Leute", ist die letzte Bastion der Prol-Kultur in New York

(taz, 18.7. 2007)

Götter auf Besuch

Das "Rucker" in Harlem ist das berühmteste Straßenbasketball-Turnier der USA. Sogar NBA-Stars schauen vorbei

(taz, 1.9.2006)

Alles wird ausradiert

Interview mit dem Gentrifizierungs-Gegner Jeremiah Moss

(Frankfurter Rundschau 27.4.2013, Foto: Frank Heuer)

Jeremiah Moss ist der Deckname eines  New Yorker Kult-Bloggers, der täglich die Sünden der Gentrifizierung in der Stadt aufdeckt und anklagt. Auf seiner Website „Jeremiah’s Vanishing New York“  - Jeremiahs verschwindendes New York - sammelt er jede Kneipe und jedes unabhängige Cafe, das einer Kette weichen muss und wettert leidenschaftlich gegen die Verteuerung und Vereinheitlichung der Stadt. Im wahren Leben ist Moss Journalist, seine Identität möchte er aber nicht preis geben, weil er seinen Job nicht gefährden will.

 

 

Jeremiah - warum kämpfen Sie so leidenschaftlich gegen die Gentrifizierung?

 

Es geht mir nicht so sehr um die Gentrifizierung im klassischen Sinn, die sich seit den 80er Jahren vollzieht und die relativ organisch gewachsen ist. Es geht mir eher um das, was wir in New York seit dem 11. September beobachten und was ich Hyper-Gentrifizierung nennen würde. Das ist ein Prozess der sich mit rasender Schnelligkeit vollzieht und der gleichzeitig zentral gelenkt und gesteuert wird.  Es handelt sich um eine komplette Umwandlung der Stadt, bei der alles, was vorher an soziokulturellen Strukturen vorhanden war, radikal ausradiert wird. Das besorgt mich.

 

Warum besorgt Sie das?

 

Die Stadt wird platt gewalzt. Alles was die Stadt einzigartig und interessant gemacht hat, wird vernichtet und durch eine Art Karikatur einer Stadt ersetzt.

 

Wie weit, glauben Sie, ist dieser Prozess in New York denn schon fort geschritten?

 

Bürgermeister Bloomberg hat seit seinem Amtsantritt 2002 riesige Teile der Stadt zur Luxussanierung frei gegeben. Das heißt wir treten gerade in das zweite Jahrzehnt der Hyper-Gentrifizierung ein. Seine Vorgänger Koch und Giuliani haben sicher die Bühne bereitet aber Bloomberg hat wirklich den Turbo eingeschaltet. Seither stirbt jeden Tag die Seele dieser Stadt ein Stück mehr.

 

 

Was motiviert denn die Hyper-Gentrifizierung?

 

Ganz einfach – die Gier. Bloomberg hat unverhohlen gesagt, dass er New York zu einer Stadt für die Reichen machen möchte. Er sieht die Stadt als Luxus-Produkt und er erzeugt dieses Luxusprodukt. Er sieht uns nicht als Bürger sondern nur als Konsumenten. Zur Gier hinzu kommt allerdings noch die Angst – Angst vor dem Chaotischen, Unvorhersehbaren, das organisch gewachsene Städte mit sich bringen. Bloomberg will alles kontrollieren – er will kontrollieren was wir essen, was wir trinken, was wir rauchen und wo wir tanzen. Dahinter steckt offensichtlich eine immense Angst vor dem Unkontrollierbaren.

 

Dieses chaotische,  wilde New York ist aber dasjenige, das Sie lieben und dessentwillen Sie hierher gezogen sind.

 

Ja, natürlich. Ich habe mich dort, wo ich herkomme, als Außenseiter gefühlt und ich wollte mit Leuten zusammen sein, die ebenfalls Außenseiter sind. Deshalb bin ich vor knapp 20 Jahren in das East Village gezogen, dort habe ich das gefunden, was ich  gesucht habe. Heute leben im East Village die Leute, die in der High School die Football-Mannschaft angefeuert haben, also genau das Gegenteil von Außenseitern. Ich verstehe nicht, was die hier wollen. Die können überall leben.

 

Finden Sie denn noch irgendwo Überreste jenes New Yorks, dessentwegen Sie einst gekommen sind?

 

Jeden Tag weniger. Ich habe das Gefühl in einem Fluss von Insel zu Insel zu schwimmen, wobei der Fluss immer reißender wird und die Inseln immer kleiner.  Jedes Mal, wenn ich einen Buchladen oder ein Cafe oder eine Kneipe finde, die ich mag, habe ich Angst, mch zu sehr zu verlieben, weil ich denke, sie wird ohnehin bald verschwinden.

 

Können Sie an der Gentrifizierung nichts Gutes finden? Immerhin ist die Kriminalität zurück gegangen, an vielen Orten ist die Lebensqualität gestiegen, die Stadt ist sauberer und schöner geworden?

 

Natürlich will niemand die Zeiten zurück, als man in bestimmte Gegenden nicht gehen konnte, ohne um sein Leben zu fürchten. Aber wir müssen darüber nachdenken, was wir dafür aufgeben. Die Leute haben, glaube ich, eine falsche Dichotomie um Kopf. Sie glauben, dass wir alles gleich und steril machen müssen, um Sicherheit zu erzielen. Sicherheit darf aber nicht die oberste und einzige Priorität sein.

 

Sind Sie ein einsamer Rufer im Wald oder gibt es noch viele Gentrifizierungs-Gegner in New York?

 

Einer der Gründe, dass ich den Blog angefangen habe, war, dass ich mich sehr alleine gefühlt habe. Die Leute haben mir immer gesagt, ich solle meine Nostalgie aufgeben und nach vorne schauen. Aber über meinen Blog habe ich doch Tausende von Leuten erreicht, die über die gleichen Dinge zornig sind, wie ich. Was hier aber fehlt ist ein organisierter Widerstand, so wie beispielsweise in Berlin.

 

Woran liegt das?

 

Ich habe keine gute Erklärung dafür. Aus irgendwelchen Gründen ist die Hürde zu aktivem Widerstand bei Amerikanern einfach höher als in Europa. 

 

Die Highline in Chelsea – ein Hochbahntrakt, der in einen Park umgewandelt wurde – ist einer ihrer größten Steine des Anstoßes. Die ganze Welt liebt und preist die Highline, nicht zuletzt, weil dort etwas Altes nicht einfach abgerissen wurde. Was ist Ihr Problem damit?

 

Ich mag die Highline ästhetisch, sie ist sehr gelungen und hübsch und ich gehe auch gerne hin, wenn es nicht zu voll ist. Aber Bloomberg hat sie dazu benutzt, das ganze Viertel zur Luxusbebauung frei zu geben. Dort stehen nun Dutzende von Apartmentkomplexen mit exklusiven Wohnungen für die Superreichen. Die Highline hat in Chelsea und im Meatpacking Distrikt wirklich die Hyper-Gentrifizierung angetrieben und das mit Turbo-Geschwindigkeit. Innerhalb eines Jahres wurden Geschäfte und Betriebe verdrängt, die seit drei Generation dort ansässig waren. Stattdessen haben wir im Meatpacking nun Viersterne Restaurants und Designerboutiquen. Bloomberg hat diesen Park subventioniert wie keinen anderen Park in New York. Dadurch verschwimmen auch die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum. Überall sind unsichtbare Samtseile gespannt.

 

Gibt es in New York noch Viertel, in denen Sie gerne leben würden?

 

Ich könnte in Gegenden wie Bushwick oder Gowanus, draußen in Brooklyn, ziehen, wo die Gentrifizierung gerade erst anfängt. Aber ich möchte mir nicht noch einmal den ganzen Schmerz und die ganze Trauer der Umwandlung antun. Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich wahrscheinlich in ein Viertel wie das Greenwich Village ziehen, wo es nichts mehr zu Gentrifizieren gibt.

 

Hat New York Ihnen das Herz gebrochen?

 

Ja, sehr. Ich fühle mich von der Stadt verraten.