Einer wie sie

Basketball Star Jeremy Lin gibt den Sino-Amerikanern neues Selbsbewusstsein

(April 2012, Berliner Zeitung)

Box Office

John Cholish ist kein Mann, dem man im Dunklen begegnen mag. Tagsüber arbeitet er als Trader für Energie-Optionen an der Wall Street. Nach Feierabend trainiert er für seine Profi Karriere im Ultimate Fighting

(26.8.2011, Financial Times; Foto: Adrian Müller)

Doping als Geschmacklosigkeit

Wider die Moralisierung der Dopingdiskussion

(Zeit Online, Juli 2009)

Warum Sport-Duelle so spannend sind – Von Achill bis Ali

Aus: Sebastian Moll, Alexander Heflik
Das Duell: Jan Ullrich und Lance Armstrong
Zu bestellen unter: http://www.covadonga.de/ 19.80 Euro

(Covadonga Verlag 2005)

Sinnlos dreht sich nur der Mensch

Sechstagerennen als Metapher für eine beschleunigte Kultur

(Frankfurter Allgemeine Zeitung, November 2000)

Stille Massenbewegung

In den USA ist die Formel 1 kein Thema. Dafür fahren beim Motorsport immer mehr Leute auf Nascar ab.

(Süddeutsche Zeitung, 22. 06. 2005)

"Anabolika haben viel zu bieten."

Der amerikanische Kulturwissenschaftler John Hoberman über Alltagsdrogen und Doping in Amerika

(Süddeutsche Zeitung, 28. 03. 2005)

The Game

Das Football-Spiel Yale gegen Harvard ist die klassische Rivalität im amerikanischen Sport.

(taz, 25.11. 2003)

Die Lüge holt einen irgendwann ein

"Momentan bin ich optimistisch. Es ist ein Tiefpunkt erreicht,von dem aus es nur noch bergauf gehen kann. Die Skandale der vergangenen zwei Jahre waren genau das, was der Radsport gebraucht hat.” So der dreimalige Tour- Sieger Greg LeMond im Interview in dem er viel von seiner Radsport-Vergangenheit und seinen Kollegen preisgegeben hat."

(TOUR-Magazin 10/2007; Foto: Harry Zernike)

Für Soccer ist gegen Bush

Warum Fußballfans in den USA oft linksliberale Kosmopoliten sind.

(taz, 22.06.2006)

"Wir konkurrieren mit Milch und Orangensaft"

Wie die Finanzkrise den US Sport trifft

(Spiegel Online, 20.10.2008)

Stille Massenbewegung

In den USA ist die Formel 1 kein Thema. Dafür fahren beim Motorsport immer mehr Leute auf Nascar ab.

(Süddeutsche Zeitung, 22. 06. 2005)

Wenn man den durchschnittlichen sportinteressierten Amerikaner nach den Ereignissen am vergangenen Wochenende im Motodrom von Indianapolis fragt, dann dürfte man nicht mehr als ein Kopfkratzen ernten. Von den Indy 500 hat man auf den Strassen New Yorks oder Chicagos sicher schon mal gehört, vielleicht sogar von der mittlerweile völlig bedeutungs-losen Indy-Car Serie. Dass die Formel 1 auf Amerikas berühmtester Piste gastiert und dort ein derart jämmerliches Schauspiel abgegeben hat, ist indes nicht weiter aufgefallen. In den amerikanischen Medien fand das Rasen von sechs europäischen Autos auf weitgehend freier Fahrbahn jedenfalls nicht statt.

Deutlich präsenter in den USA als Michael Schumachers Sieg bei der Renn-Parodie von Indianapolis war zum Wochenbeginn der Sieg von Greg Biffle am selben Tag, ein paar 100 Kilometer nördlich auf der Rennbahn von Michigan. Es war der fünfte NASCAR Saisonsieg des Mannes aus North Carolina, der sich damit in der Gesamtwertung der Nextel Serie bis auf 50 Punkte an die NASCAR Legende Jimmy Johnson herangepirscht hat. Das Duell Biffle-Johnson bewegt in den USA viel eher die Menschen, als die Probleme der Formel 1-Lenker mit ihren Pneus. Denn NASCAR rangiert in der Rangliste der amerikanischen Sportarten mittlerweile auf Rang Zwei in der Zuschauergunst – populärer ist nur Football. Die Mischung aus Deutscher Tourenwagenmesterschaft und wildem Sandbahnrennen verfolgen wöchentlich 75 Millionen Amerikaner – beinahe so viel wie die gesamte deutsche Bevölkerung.

Mit NASCAR verhält es sich ähnlich wie mit dem Siegeszug der religiösen Rechten in Amerika. Unbemerkt von den Zentren der geistigen und kulturellen Elite des Landes sowie den Hauptquartieren der vermeintlich maßgeblichen Medien ist der Sport in der großen geografischen Mitte des Landes zu einer stillen Massenbewegung erwachsen. Entspre-chend verglich Jonathan Miles, Redakteur der Lifestyle Zeitschrift Men’s Journal, die Pläne von Nascar, eine Bahn an den Stadtrand von New York zu bauen mit dem Ansturm der Hunnen auf Gallien. Für die urbane Elite Amerikas verkörpere NASCAR alles, was an den roten Staaten Amerikas unappetitlich ist: „Hemmungsloses Verbrennen fossiler Brennstoffe, Lust an der Gewalt, Rassismus, ungebremster Republikanismus, Anti-Intellektualismus, die Dreifaltigkeit von Waffen, Gott und dicken Bäuchen, Toby Keith-Hymnen und natürlich unglaublich schlechtem Mode Geschmack.“

NASCAR ist tief in der amerikanischen Provinz verwurzelt, im ländlichen Amerika, wo gottesfürchtige Menschen kargem Boden eine jämmerliche Ernte abringen und sich am Wochenende mit Whiskey und Revolvern betäuben, wenn sie nicht in die Kirche gehen. Oder eben Autofahren. Die frühen Stock Car Rennen (Nascar steht für National Association of Stock Car Races) waren wilde Jagden auf ungeteerten Bahnen, bei denen Feier-abendrennfahrer mit Chevys auf einander losgingen, die sie beim Licht von Gaslaternen in ihrer Scheune hoch getunt hatten. Die frühen Helden des Sports waren echte Outlaws, im Knast gesessen zu haben, war unter ihnen ein Ritterschlag. Der legendäre Junior Johnson, tagsüber Hühnerfarmer aus Georgia, saß etwa 11 Monate ein, weil er sich nach einem Nachtrennen auf einer öffentlichen Strasse eine Hetzjagd mit der Polizei quer durch den Staat geliefert hatte. Curtis Tucker, eine andere Legende jener wilden Jahre, war dafür bekannt, volltrunken zu den Rennen anzutreten und in voller Fahrt seinen Konkurrenten den Whiskeykrug durch das Fenster zu reichen. Auf beinahe alle Rennen jener Zeit folgte eine Massenschlägerei der Fahrer und ihrer Anhänger, abgerundet durch anschließende orgiastische Besäufnisse.

Diese Zeiten sind freilich lange vorbei. Der geschäftstüchtige Renn-Veranstalter Billy France vereinte in den 50er Jahren die über den gesamten Süden verstreuten Rennen zu einer Serie und taufte sie Nascar. Heute regiert die French-Dynastie in der dritten Generation das NASCAR-Reich, und Billy’s Enkel Brian ist ein moderner Unternehmer mit Visionen und Marketing-Geschick. Er hat die Serie über 10 Monate und das ganze Land ausgedehnt, im Herbst, wenn im Baseball, Basketball und Football nichts Entscheidendes passiert, eine Art Playoff Serie installiert und das ganze für 400 Millionen Dollar im Jahr an die Fernsehsender ABC, ESPN, NBC und TNT verkauft. Brians nächste Pläne sind der Bau der Rennbahn in New York und der Export des Sports nach Mexiko. Langfristig will French mit seinem NASCAR in Europa und Asien Fuß fassen, und er scheut sich dabei nicht davor, sich mit der Formel 1 anzulegen.

Das größte Problem bei Frenchs expansiven Visionen dürfte es hingegen sein, wie er ein neues, weltoffeneres Publikum hinzu gewinnt ohne seinen ländlichen, ungehobelten Kundenstamm zu verlieren. Schon jetzt ist vielen Nostalgikern das neue Nascar zu brav, Figuren wie Curtis Turner wären im nationalen Fernsehen zur besten Sendezeit eben nicht vorzeigbar. Der Spagat, den French versucht, wird am deutlichsten bei der Wahl der Nascar Sponsoren – statt des Zigarettenherstellers Winston wirbt am Streckenrand der Phar-makonzern Glaxo Smith für sein Nikotinpflaster; von der Whiskeymarke Jim Beam will sich French indes noch nicht trennen. „Nascar ist in der gleichen Lage wie Elvis, als er aus der Armee entlassen wurde“, schreibt Jonathan Miles. „Hinter ihm lag eine wilde, waghalsige Jugend, vor ihm Reichtum, Fettleibigkeit und der Tod auf einer Toilette in Vegas.“ Reich und Fett ist Nascar schon. Ob es sich jedoch an seinen Globalisierungsplänen verschluckt, bleibt abzuwarten.